[tl] Zugegeben: Als Gestalter einen Artikel über das Weglassen zu schreiben ist doppelt ungewöhnlich. Auf der einen Seite sieht es so aus, als würde man sich für das „Nichtgestalten“ rechtfertigen und auf der anderen Seite verschwendet man genau mit dieser ausschweifenden Erklärung wertvollen Platz. Es geht aber um das „bewusste Weglassen“, das zum Gestalten genauso gehört wie das „Hinmachen“.

Gestalter mögen freie Flächen. Geht es darum, Informationen schnell erfassbar und einfach auf teuren Kommunikationsmitteln darzustellen, gehen die Meinungen zwischen Gestalter und dem Kunden oft auseinander. Aber sehen wir es doch mal nicht als Nachteil und ungenutzten Platz, sondern als Vorteil und bewusstes Stilmittel …

Also was ist Weißraum?
Weißraum (auch „Leerraum“ oder „Negativraum“) hat, auch wenn es der Name vermuten lässt, weniger mit der farblichen Gestaltung eines Layouts zu tun. Gemeint sind alle Flächen auf einer Website, einer Anzeige, in einem Flyer usw., die nicht mit Text, Bildern oder grafischen Elementen gefüllt sind, also unbedruckte Flächen.

Einfachheit als Stilmittel
Wichtig in der darstellenden Kommunikation ist es, optische Schwerpunkte zu setzen (gerade im Gestalten und Illustrieren erklärungsbedürftiger Themen). Das gelingt am besten in einem klaren und reduzierten Umfeld. Denn im Optischen gilt die gleiche Regel wie im Akustischen: Am besten gehört und auch verstanden wird man in einer stillen Umgebung.
„Optische Stille“ erreicht man durch gezielten Einsatz von Leerräumen, die die Augen des Betrachters schnell und direkt auf das Wesentliche lenken. Hier heißt die Devise wirklich „weniger ist mehr“.

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Wie fällt ein Kleid eher auf? Reingequetscht in einem vollen Kleiderständer oder alleine und prominent in einem übersichtlichen Showroom? Eben.

Weißraum dient aber nicht nur dazu, Highlights zu setzen sondern auch, um Inhalte zu gliedern und Hierarchien zu schaffen. Durch gezielte Abstände rücken Elemente zusammen und werden so als Ganzes wahrgenommen oder durch mehr Abstand bewusst von anderen Elementen getrennt.

Was LEERnen wir daraus?
Weißräume sind keine Platzverschwendung, sondern wichtiges Stilmittel. Durch sie wird das Wesentliche erst gestalterisch ordentlich in Szene gesetzt – egal, ob Print oder digital – lässt das Design edler wirken und vermittelt somit Hochwertigkeit.

Sollte ich Dich mit diesem Artikel nicht überzeugt haben, empfehle ich den „Whitespace-Eliminator“ aus dem Video-Klassiker „Make My Logo Bigger Cream“ von Objective😉

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