[uh] Wer einst die bleigeschwängerte Luft in den Gassen zwischen Setzregalen inhalieren und abends mit der Säuberung der geschwärzten Finger zu kämpfen hatte, weiß, welche sprachlichen Kuriositäten sich im Bereich des Setzerhandwerks finden lassen. So auch der Zwiebelfisch.

In meiner Ausbildung zur Schriftsetzerin Anfang der 90er kam ich noch in den „Genuss“, den klassischen Bleisatz in der Ausbildungswerkstatt erlernen zu dürfen. Damals empfand ich diese Plackerei freilich nicht als solchen, aber heute weiß ich das in meiner täglichen Arbeit durchaus manchmal zu schätzen.

Das Setzen von ganzen Absätzen oder auch Seiten im Bleisatz ist ein durchaus mühseliges Unterfangen. Wurde man dann noch mit Tabellensatz gestrietzt, wo man punktgenau kleinste Zahlen und auch Linienelemente zusammenfügen musste, war das Ganze noch schlimmer. Krönung war eine Ausbilderin, die mit sadistischer Ader pedantisch auf perfekten Satz achtete und man manchmal Dinge bis zu fünf Mal setzen musste bis es ihrem Anspruch gerecht wurde.

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Nun zurück zum Zwiebelfisch. Er bezeichnet einzelne „falsche“ Buchstaben in einem gesetzten Text. Zum Beispiel ein fettes a in einem ansonsten mager (regular) gesetzten Wort. Heute passieren solche Fehler eher nicht, aber früher im Bleisatz wurden nicht mehr verwendete gesetzte Kolumnen aufgelöst, d. h. die einzelnen Lettern wurden wieder zurück in den Setzkasten abgelegt. Dabei passierte es schon mal, dass ein Buchstabe aus einer anderen Schriftart oder einem anderen Schriftschnitt (mager, kursiv, halbfett, fett) sich in ein falsches Fach mogelte und später auch fälschlicherweise als Zwiebelfisch wieder im Satzbild auftauchte.

Sprachlichen Ursprung hat der Begriff „Zwiebelfisch“ in der Tatsache, dass der Alburnus lucidus als minderwertiger Fisch galt und deshalb zum Synonym für minderwertige Ware wurde. Eine schlechte Setzerei war demnach eine Zwiebelfischbude.

Einen kleinen Film von Martin Z. Schröder (Druckerey-Blog) zum Thema Bleisatz im Allgemeinen könnt Ihr Euch hier anschauen.

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