[tm] 3D-Effekte können einem 0815-Clip das gewisse Etwas verleihen. Aber habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie das mit den 3D-Effekten geht? Für unser Video zur Weihnachtsaktion 2016 haben wir in die (3D-)Trickkiste gegriffen. Wir öffnen sie für euch und wollen einen kleinen Einblick geben, wie das Ganze funktioniert.

„Freeeeze!“ So lautete wohl das häufigste Kommando beim Dreh. Keiner bewegt sich, die Zeit steht still  wenn auch nur für eine Minute. Aber wer das selbst schon mal ausprobiert hat, weiß: Das ist gar nicht mal so leicht! 😉 Erst recht nicht, wenn zum Beispiel ein Stift in der Luft stehen bleiben oder Wasser „einfrieren“ soll. Die Lösung: 3D-Effekte. Doch fangen wir von vorne an …

Das Equipment
Benötigt haben wir hierfür eigentlich gar nicht so viel: eine digitale Canon Spiegelreflexkamera, ein Glidecam-Stativ, als Software Adobe Premiere und Adobe After Effects.

Die Technik
Die Szenen wurden bei normalen Lichtverhältnissen, aber in doppelter Geschwindigkeit aufgenommen (50 frames/sec). Im fertigen Video werden sie dann mit Normalgeschwindigkeit (25 frames/sec) abgespielt, um die Standszenen weicher wirken zu lassen, damit Zittern oder Atmen der Darsteller kaum wahrnehmbar ist.

Die Bearbeitung
Die meisten Effekte wurden mit Hilfe von 3D-Tracking, einem Verfahren zur Analyse von Bewegtbild-Szenen, in das Video eingesetzt. Dafür wurde der Film zuerst grob in Adobe Premiere vorgeschnitten und danach für die Effektbearbeitung an Adobe After Effects übergeben.

Das schwebende Wasser

Diese Szene, in der das Wasser zu schweben scheint, wurde mit einem 3D-Kameratracker analysiert. Der Tracker setzt an markanten Stellen im Videobild Referenzpunkte ab. Bei einer Kamerabewegung wandern diese Bildstellen innerhalb des Bildausschnittes hin und her und verändern ihre Positionen zueinander. Der Tracker heftet sich genau an diese Stellen und verfolgt deren Bewegungen. Er zeichnet sie sozusagen für jedes einzelne Bild auf. Dadurch wird ein dreidimensionales Abbild des realen Raumes in Adobe After Effects geschaffen.

wassertracking_01.JPG
Konfetti! In Fachkreisen: Referenzpunkte, die der Tracker markiert hat.

Nun ist es möglich, die Bewegung der realen Kamera nachzubilden und eine entsprechende virtuelle Kamera in Adobe After Effects zu erstellen. Der After Effects 3D-Raum wird dann im Compositing mit dem realen Videobild kombiniert.

Um das Wasser „schweben zu lassen“ und in der Szene umzusetzen, benötigt man ein gut ausgeleuchtetes freigestelltes Wasserfoto. Dieses Foto wird als 3D-Ebene in die Adobe After Effects-Szene importiert und kann in den nachgebildeten 3D-Raum eingesetzt werden. Aus den vorher getrackten Referenzpunkten, wählt man nun die aus, an denen sich das Wasser im Raum befinden soll. Das Wasserbild wird dann an diese Koordinaten angeheftet. Spielt man das Video jetzt ab, steht die Flüssigkeit im Raum an einer festen Stelle und man kann sozusagen um sie herumgehen.

Aber noch sind wir nicht ganz fertig. Das Problem: Das Wasser müsste logischerweise von der Darstellerin im Vordergrund verdeckt werden. Hier arbeitet man mit sogenannten Masken. Dafür wird die Person, die das Wasser im Video verdecken soll „Bild für Bild“ freigestellt, um sie so auf der darüberliegenden Ebene positionieren zu können.

Die freigestellte Szene wird dann über der Wassereffekt-Ebene und diese wiederum über der Videoszenen-Ebene positioniert. Voilà!

wassertracking_03.JPG
Alle Ebenen sind nun korrekt positioniert: Das fröhliche Verschütten nimmt seinen Lauf. 😉

Der fliegende Stift

Da wir in unserem Job alle ein gutes Auge brauchen (im besten Fall 2!), war es uns zu heikel in dieser Szene einen echten Stift zu werfen. 😉 Doch wie kommt der dann in die Szene und bleibt auch noch mitten im Raum stehen?

Dazu musste er im Compositing eingefügt werden. Um den Anlauf für den Wurf darzustellen, wurde ein 1-Punkt-Bewegungs-Tracking des roten Fingernagels der Darstellerin durchgeführt, also nur dessen Bewegung im Raum nachverfolgt und aufgezeichnet.

stifttracking01.JPG
1-Punkt-Bewegungs-Tracking für den Wurf

Es entsteht dabei ein animiertes unsichtbares Hilfsobjekt, woran der Stift geknüpft wird, so dass er sich anschließend fließend mit der Hand der Werferin mitbewegen kann.

stifttracking01b.JPG
Ein zusätzlicher Motion Blur Effekt unterstützt die Darstellung der Wurfbewegung.

Das Werfen des Stifts wurde mit einer einfachen Keyframe-Animation und einem Motion Blur Effekt realisiert.

Der schwebende Stift


Für den in der Luft stehen gebliebenen Stift im Raum, kam wieder das 3D-Kameratracking (wie auch beim Wasser) zum Einsatz.

tracken_stift2.JPG
Hilfsebene (grün) beim Bearbeiten der Videoszene.

Damit der Darsteller den Stift aus der Luft aufgreifen konnte, wurde auch hier wieder das 1-Punkt-Bewegungstracking genutzt, nur diesmal mussten dafür die Finger des „Greifers“ getrackt werden.


Die Zeit steht still


Den Moment, in dem der Darsteller die Uhr antippt und somit die Zeit anhält, haben wir mit einem einfachen Partikelsystem aus Lichtpunkten in Adobe After Effects dargestellt, welches wir wiederum an die Bewegung der Hand geknüpft haben.

partikel01.JPG

Partikelsysteme sind Funktionen innerhalb eines Compositing- oder 3D-Programms, die es ermöglichen eine große Anzahl von Objekten mit Hilfe von Gravitationsfeldern, Windstärken, magnetischen Kräften und Kollisionsobjekten im Raum zu bewegen und zu animieren.

Die Partikel können dabei kleine Objekte, wie etwa Regentropfen oder Schneeflocken sein, es kann sich aber auch um größere Felsbrocken oder Ziegelsteine handeln, die beispielsweise aus einer Wand herausbrechen und auf einen Boden fallen – es gibt hier unzählige Möglichkeiten.

In unserer Animation sind es wachsende Lichter, die ihre Farbe mit der Zeit verändern und sich im Raum ausbreiten.

Ihr seht also, das Erstellen von 3D-Effekten ist zwar keine Zauberei, aber auch nicht ganz so einfach wie es am Ende aussehen mag. Gerade in diesem Bereich herrscht natürlich ein rasanter Fortschritt, sodass auch das 3D-Team von GM-W immer den Anspruch an sich selbst hat, sich weiterzuentwickeln.

Hier könnt ihr euch das komplette Video noch einmal anschauen. 🙂

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